Für die Untersuchung von Fledermäusen kombiniere ich – abhängig von der Fragestellung Detektorerfassungen, stationäre akustische Aufzeichnungen, Ausflug- und Schwärmkontrollen sowie strukturbezogene Quartierprüfungen und Kotanalysen. Die Auswertung erfolgt unter Berücksichtigung der artspezifischen Nachweisgrenzen und der örtlichen Habitatbedingungen. Ziel ist eine nachvollziehbare fachliche Grundlage für Planung, Konfliktbewertung und gegebenenfalls erforderliche Schutzmaßnahmen.
Fledermäuse gehören zu den besonders häufig relevanten Artengruppen bei Bau-, Abriss- und Sanierungsvorhaben. Viele Arten nutzen Gebäude, Baumhöhlen, Spalten, Fassadenverkleidungen, Dachräume oder andere geschützte Strukturen als Quartier.
Flatterwerk - Artenschutzrechtliche Untersuchungen bietet im Raum Tübingen, Reutlingen und Baden-Württemberg wissenschaftlich fundierte Fledermausuntersuchungen für Bauvorhaben, artenschutzrechtliche Prüfungen, Monitoring und weiterführende fachliche Fragestellungen an.
Mein Schwerpunkt liegt auf der Kombination aus Geländeerfassung, akustischer Untersuchung, Quartiersuche und fachlicher Auswertung.
Fledermäuse nutzen an Gebäuden vor allem geschützte Spalten und Hohlräume. Typische Quartierstrukturen finden sich beispielsweise unter Dachziegeln, an Ortgang und Traufe, hinter Fassaden- oder Holzverkleidungen, in Mauerspalten und Rissen, Rollladenkästen sowie in Dach- und Attikabereichen. Größere Dachräume können für spezialisierte, z.B. frei hängende, Arten relevant sein.
Entscheidend ist jedoch nicht allein das Vorhandensein einer Öffnung. Zugänglichkeit, Tiefe, Witterungsschutz, Ausformung, Lage und Mikroklima bestimmen, ob eine Struktur tatsächlich als Fledermausquartier geeignet ist und angenommen wird. Deshalb ist nicht jede Fuge oder Beschädigung automatisch artenschutzrechtlich relevant.
Im Rahmen einer Gebäudekontrolle oder Habitatpotenzialanalyse werden potenzielle Quartierstrukturen gezielt erfasst und fachlich bewertet. So lässt sich einschätzen, ob ein Fledermausvorkommen ausgeschlossen werden kann oder ob vor Abriss, Dach- oder Fassadensanierung weiterführende Untersuchungen erforderlich sind.
Je nach Fledermausart unterscheiden sich die bevorzugten Quartiere deutlich. Typische Gebäudefledermäuse sind beispielsweise Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus, Zweifarbfledermaus, Graues Langohr und Großes Mausohr. Sie nutzen unter anderem Spalten und Hohlräume an Fassaden, Bereiche unter Dächern sowie größere Dachräume und Dachstühle.
Zu den typischen baumquartiernutzenden Arten gehören unter anderem Bechsteinfledermaus, Wasserfledermaus, Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Mopsfledermaus und Rauhautfledermaus. Geeignete Quartiere finden sich beispielsweise in Specht- und Fäulnishöhlen, Stammrissen, Astlöchern, Rindenspalten oder hinter abstehender Borke. Eine eindeutige Trennung ist jedoch nicht bei allen Arten möglich. Teilweise können die Arten sowohl Quartiere an Gebäuden als auch an Bäumen nutzen. Entscheidend ist deshalb immer die konkrete Struktur und ihre mögliche Funktion.
Im Jahresverlauf können Fledermäuse unterschiedliche Quartiere nutzen: Sommer- und Wochenstubenquartiere dienen vor allem der Jungenaufzucht, während im Spätsommer und Herbst häufig Paarungsquartiere aufgesucht werden. Im Winter ziehen sich die Tiere in geeignete Winterquartiere zurück, die je nach Art beispielsweise in Gebäuden / Oberirdisch, in entsprechend frostsicheren Baumhöhlen, Felsspalten oder unterirdischen Hohlräumen liegen können.
Bei Abriss-, Sanierungs- oder Umbauvorhaben werden Gebäude gezielt auf potenzielle und tatsächlich genutzte Fledermausquartiere im Detail untersucht.
Je nach Gebäude können unter anderem folgende Strukturen relevant sein:
Spalten an Fassaden und Mauern
Dachanschlüsse und Traufen
Verkleidungen
Rollladenkästen & Fensterläden
Dachräume & Zwischendächer
Keller und Hohlräume
Neben geeigneten Strukturen werden auch Nutzungsspuren wie Kot, Verfärbungen oder weitere Hinweise auf Fledermausvorkommen berücksichtigt und dokumentiert. Alle potenziellen und genutzten Strukturen werden anschließend im Gutachten aufgelistet und hinsichtlich Ihrer Eignung und Funktion bewertet.
Fledermäuse orientieren sich überwiegend mittels Ultraschall. Ihre Rufe können mit speziellen Detektoren und automatischen Aufnahmegeräten erfasst werden.
Akustische Untersuchungen dienen unter anderem zur Erfassung von:
Arten und Artengruppen
Jagdaktivität
Flugrouten
Aktivitätsschwerpunkten & zeitlichen Aktivitätsmustern
Quartiersnutzung: Ausflug & Schwärmkontrollen
längerfristigen Veränderungen im Rahmen von Monitoring
Zum Einsatz kommen mobile Detektoren sowie stationäre Aufnahmegeräte der Firma Elekon.
Die Erfassung im Gelände ist nur ein Teil der Untersuchung. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der anschließenden fachlichen Auswertung der Aufnahmen. Die Rufsequenzen werden softwaregestützt analysiert (BatExplorer Pro) und anschließend fachlich überprüft und bewertet.
Dabei werden unter anderem berücksichtigt:
Rufstruktur, Abstände und Frequenzverlauf
Habitat und Aufnahmesituation
bekannte Verbreitung der Arten
Automatische Bestimmungsergebnisse werden nicht ungeprüft übernommen.
Je nach Fragestellung bietet Flatterwerk - Artenschutzrechtliche Untersuchungen außerdem:
Baumhöhlenkontrollen & Besatzkontrollen an Bäumen, Brücken und Felsen (SKT-A Schein). Mehr dazu
Endoskopische Kontrollen der Strukturen mit hoher Bild & Aufnahmequalität
Längerfristige akustische Erfassungen durch Passive Recorder
CEF - und Ausgleichsmaßnahmen u.a. Anbringung von Fledermauskästen mittels Seilklettertechnik im Rahmen der ÖBB
Jährliche Reinigung / Kontrolle der Kästen im Rahmen von Monitorings
Fledermausuntersuchungen können erforderlich werden, wenn durch Bauvorhaben, Abriss- oder Sanierungsmaßnahmen, Gehölzeingriffe oder Veränderungen von Freiflächen potenzielle Quartiere, Jagdhabitate oder wichtige Flugverbindungen betroffen sein könnten. Ob und in welchem Umfang eine Erfassung erforderlich ist, ergibt sich aus den örtlichen Habitatstrukturen, der Eingriffsplanung und der konkreten artenschutzrechtlichen Fragestellung. Eine frühzeitige Einschätzung kann helfen, jahreszeitlich gebundene Untersuchungen rechtzeitig einzuplanen.
Je nach Aufgabenstellung kommen Transektbegehungen, automatische akustische Erfassungen, Ausflug und Einflugkontrollen, herbstliche Schwärm & Balzkontrollen, sowie die Untersuchung potenzieller Quartierstrukturen infrage. Akustische Nachweise ermöglichen nicht in jedem Fall eine sichere Bestimmung auf Artniveau. Bei Quartierfragen werden Rufdaten deshalb zusammen mit Verhalten, Gebäudestruktur und weiteren Befunden bewertet.
Das Fehlen sichtbarer Tiere oder Spuren bei einer Einzelbegehung belegt nicht zwangsläufig, dass eine Struktur zu anderen Jahreszeiten oder zeitweise nicht genutzt wird. Die Aussagekraft hängt unter anderem von Zugänglichkeit, Quartierstruktur, Jahreszeit, Witterung und Untersuchungsmethode ab. Auch mehrmalige Kontrollen stellen Stichproben dar, während viele Fledermausarten ihre Quartiere regelmäßig wechseln und oftmals einen ganzen Verbund an Quartieren in einem Sommer nutzen.
Möglichst in der frühen Planungsphase. Viele Fragestellungen lassen sich nur während der Aktivitätszeit der Fledermäuse entsprechend bearbeiten. Zu beachten ist auch, dass bei etwaigen Ausgleichsmaßnahmen deren Funktionalität vor den (Bau-)Maßnahmen gewährleistet sein muss. Eine rechtzeitige Abstimmung des Untersuchungsprogramms mit der Behörde verringert das Risiko, dass zusätzliche Untersuchungen den geplanten Bauablauf verzögern.
Ausgangslage: Im Vorfeld eines geplanten [Abrisses / Umbaus / einer Sanierung] sollte zunächst geprüft werden, ob ein Bestandsgebäude für Fledermäuse relevante Quartierstrukturen aufweist.
Vorgehen: Nach einer Habitat- und Strukturbeurteilung wurden kleinere potenzielle Quartiere im Dachbereich dokumentiert (HPA). Ansonsten konnte bei der Übersichtsbegehung keine Hin-oder Nachweise einer Nutzung ausgemacht werden. Nach Rücksprache mit der Behörde werden vertiefende Untersuchungen in einem kleineren Umfang angesetzt: 3 Detektorbegehungen zur Wochenstubenzeit (Juni/Juli)
Ergebnis: Die Untersuchungen ergaben nur eine Nutzung als Einzel-/Zwischenquartier. Für den Verlust des nachgewiesenen Einzelquartiers wird ein Ausgleich durch einen Fledermauskasten am Neubau angesetzt. Als Vermeidungsmaßnahme bzgl. der Tötung von Fledermäusen wird empfohlen, anschließend den Abriss im September-Oktober (Übergangszeit) durchzuführen. Dazu sollte die Dachabdeckung vorsichtig schrittweise entfernt werden; durch ein kurzzeitiges offenlassen wird den Fledermäusen ermöglicht anderweitige Quartiere aufzusuchen.